Dienstag, 5. März 2013

Servus Innsbruck

Gewisse Unterfangen brauchen manchmal lange bis sie realisiert werden können, besonders im Winterhalbjahr ist es Wettertechnisch nicht immer einfach zu planen. Der vergangene Sonntag war somit eine positive Ausnahme, der Nebel verzog sich und das Wetter passte wie eine Faust aufs Auge. 

Innsbruck soll die Destination des Tages sein. Ein guter Freund berichtete nur positives und so wagt man sich auch gleich mit einem besseren Gefühl an „Neuland“ heran. Die Flugvorbereitungen sind bald erledigt, das Routing führt ziemlich direkt von Mollis via Bludenz, Arlbergpass, Landeck nach Innsbruck. Ich mag direkte Routen, ich musste mir aber auch schon amüsanter Weise anhören, das meine Pläne keine Routings sind, sondern gerade Striche auf der Karte.

"Flight Instruments and Avionics are Set"


Um 10.50 Uhr war Boarding Time, mein Mitflieger war schwer bewaffnet mit einer guten Kamera und schoss die tollen Bilder hier in diesem Bericht. Mein Zeitmanagement ging mal wieder gut auf, auf 2 Minuten genau hoben wir auf der Piste 01 ab. Danach schnell auf die Frequenz von Zürich Informationen gewechselt, da die Verbindung Richtung Sargans und Rheintal bekannter Weise schlecht ist und ich so noch meinen Flugplan öffnen konnte. Als ich mich nach ereignislosem Climb über Bludenz meldete, wies mich der Controller an, Innsbruck Tower aufzurufen, unglaubwürdig quittierte ich seine Message. Innsbruck war noch Meilen weit entfernt! Funkkontakt hätten wir höchstens via einem Satelliten aufbauen können, aber es würde auch so keinen Sinn ergeben. Der Mann am anderen Ende des Mikrofons war zu dieser Zeit sehr beschäftigt, da 3 Ballone unerlaubterweise auf FL155! in einen Luftraum gestiegen sind und so ersparte ich mir die Rückfragerei und liess es so im Raum, respektive in der Luft stehen.

Malbuner, mal besser!
 
Ich wechselte dann zu Wien Information und so gondelten wir mit einem Transpondercode Innsbruck entgegen. Ich konnte mich noch so knapp abmelden da auch die Verbindung mit dem Wiener Controller über Landeck erdenklich schlechter wurde, da ich bereits mit dem Sinkflug begonnen hatte.
Arlbergpass voraus
Reportingpoint W1 von Innsbruck

Westlich, ca. 5 Meilen vor dem ersten Reportingpoint W1 meldete ich mich bei Innsbruck Tower, auch hier war die Verbindung schlecht, darum habe ich vorsorglicher Weise den Squelch/Rauschsperre geöffnet um alles mitzukriegen. „QNH 1019, Cleared enter on maximum 3500ft, for Rwy 26, next Report W1“, so lautetet ungefähr die Ansage die uns schon mal durchaus positiv stimmte. 3500ft sind nicht mehr so wahnsinnig hoch, da die Talsohle schon auf ca. 1900ft liegt. Das Tal ist aber breit und es hat jede Menge Platz, als in Mollis fliegender ist man sich da anderes gewohnt. 
Holding auf 4000ft

So flogen wir Richtung Downwind zur Landung. Ein Italiener mit seiner Piper geisterte jedoch irgendwo in der CTR herum und hatte wohl keine Ahnung was er tut oder was ihm der Tower befohlen hat zu tun, die Funkgespräche waren teils dramatischer Natur. Uns schickte man südlich von Innsbruck ins Holding auf 4000ft, zudem konnte eine Boeing 757 die bereits auf der Piste stand nicht starten, bevor der Italiener keine Gefahr mehr darstellte. Nach ein paar Ehrenrunden im Holding wurden wir dann doch auf die andere Piste 08 zu einer Long-Landing (Piste 2000m lang) geschickt.
"Long Landing" auf die Piste 08
"Looking out for Marshaller"

Die italienisch Piper mit den vier älteren Insassen wurde dann umgehend nach der Landung in Empfang genommen und die Herren mussten dem Towerlotsen wohl Red und Antwort stehen. Nach einem freundlichen Empfang und Bezahlung der Landetaxen (Landeentgelt 7.96 Euro + An- und Abfluggebühr 15.05 Euro) machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt, mit dem Linienbus, der regelmassig verkehrt.
Altstadt von Innsbruck, im Hintergrund das "Goldene Dachl" 

Ein kurzer Spaziergang durch die schmucke Altstadt von Innsbruck brachte uns unserem Ziel näher, dem „Goldenen Dachl“, dem Wahrzeichen der Stadt. 2657 feuervergoldete Kupferschindeln decken das Dach des 1420 als Residenz erbauten Gebäudes für die damaligen Tiroler Landesfürsten. Wir sind zwar keine Fürsten, aber haben trotzdem fürstlich das Mittagessen zu uns genommen. Schon bald machten wir uns wieder auf den Rückweg zum Flughafen, natürlich nicht mit leeren Händen, für die daheimgebliebenen haben wir noch ein kleines Souvenir gefunden. 

Im Terminal des Flughafens schauten wir noch schnell die Abflugmonitore an, ob unser Flug nach Mollis auch aufgelistet war, jedoch vergeblich Air Berlin, Easyjet & Co. verdrängten uns von den Schirmen.

Destination Mollis ist nirgends vermerkt

Bei der Sicherheitskontrolle liessen wir uns durchleuchten und frisch verstrahlt standen wir wieder auf dem Vorfeld bei unserer treuen Maschine. Outsidecheck, Öl und Fuel kontrollieren, ein paar Erinnerungsfotos schiessen, und ein paar Starts von Kleinflugzeugen mit Rückenwind beobachten. 

In Innsbruck wird das "Kleingemüse" auf der 26 losgelassen, so dass der Start nicht über die Stadt erfolgt (Lärm). So hoben auch wir auf der Piste 26 ab, mit dem fast unglaubwürdigen Transpondercode 0001! So wurde es amtlich das wir derzeit die Nr.1 am Platz waren!  

Für den Ausflug durften wir wieder auf maximum 3500ft steigen um sofort nach dem Start nach Norden „close to the Mountain“ zu drehen, da im selben Tal eine Linienmaschine entgegenkam die zur Landung ansetzte. Dann kam die Anweisung „climb to 5000ft“, kurze Zeit später „climb to 7000ft“, so muss man sich wohl fühlen, wenn man IFR fliegt; man wird quasi rauf dirigiert. 

Ab die Post nach Hause! Wien Information haben wir wieder aufgerufen, um diese auch kurze Zeit später wieder zu verlieren. Mit einer Cirrus, die sich auch auf demselben Weg befand, tauschten wir uns direkt auf der Frequenz aus, da diese auf selber Höhe und Richtung über den Arlberg flogen, hatten sie uns auf ihrem TCAS (Traffic Alert and Collision Avoidance System), wir blieben rechts und sie zogen im Cirrusmässigen Tempo an der linken Talseite an uns vorbei. Ob es echt sinnvoll war, auf der Infofrequenz direktabsprachen zu treffen? Ich weiss es nicht, da wir den Controller nicht mehr hörten, hörte er uns ja wahrscheinlich auch nicht mehr. Zudem hielten wir die Funksprüche kurz und sachlich, ich denke das war in Ordnung so.

Nach Malbun machten wir noch einen Abstecher ins Toggenburg da ich nicht zu früh landen wollte, für die Zollanmeldung in Mollis habe ich die Flugzeit etwas zu grosszügig gewählt, so hatten wir noch 5 Minuten für Sightseeing übrig. Im Toggenburg überflog uns eine Maschine im 90 Grad Winkel mit geringem horizontalem Abstand, es war extrem eindrücklich und auch erschreckend wie schnell so ein kleiner Punkt am Horizont aufs mal so nahe und so gross wurde, falls wir beide etwa dieselbe Geschwindigkeit hatten, ergab das eine Annäherungsgeschwindigkeit von rund 430km/h, das ist "zügig". Dann hängte sich der Pilot der anderen Maschine an unsere rechte Seite und wackelte mit den Flügeln, was wir dann auch taten (das Wackeln mit den Flügeln bestätigt, das man den anderen gesehen hat.) So kam er immer näher an uns heran und so flogen wir ein paar Minuten in Formation Richtung Wattwil. Da ich schneller war und leicht versetzt vorne flog, gleichte er sich an meiner Fluglage an, was im Formationsflug so üblich ist, ich war quasi der Leader. Ich durfte bereits vor einem Jahr unter der Leitung meines FI (Fluglehrer) einen Formationsflug fliegen, das genau zu erzählen ergäbe aber einen separaten Blogeintrag. Bis aber klar wurde das diese eine gewollte Situation war, vergingen doch ein paar Sekunden in der man nicht sicher ist, ob man wirklich vom anderen gesehen wurde.


UNO - Grande - Toc!

Über der Linthebene machte sich eine mystische Stimmung breit, der Dunst und Nebel mit den einfallenden Sonnenstrahlen war noch das pünktchen auf dem i. Kurze Zeit später landeten wir auf der Piste 01 in Mollis, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Wir werden wohl diesen Tag nicht so schnell vergessen.

3 Kommentare:

  1. Tolles Wetter, Tolles Flug, Tolles Erlebnis

    Vom Flug mit Jan am Sonntag 3.3.13 von Mollis nach Insbruck werde ich noch lange schwärmen!

    Mit der Katana Eclipse starten wir in Mollis. Ich kenne den Flieger - hatte ich doch damit meinen Schnupperflug absolviert. Die Steigleistung des Leichtgewichts (also der Flieger nicht die Passagiere) ist beeindrucken.
    Sehr professionell und mit viel Routine steuert der Pilot die Maschine unserem Ziel entgegen.
    Der Flug ist wirklich ein reiner Genuss. Die Sicht ist fantastisch - wenn wir keine Erdkrümmung hätten, dann hätten wir sicher das Meer gesehen.
    Dass der Pilot aus Italien in Innsbruck ziemliche Verständigungsschwierigkeiten hatte, beweist, dass das Thema Voice in der Fliegerei einen enorm wichtigen Stellenwert hat. Der Controller und der Pilot müssen sich immer 100%ig verstehen. Sonst wird es gefährlich für alle Beteiligten.
    Ich danke Jan für den super Flug und kann nur jedem Empfehlen, einmal mitzufliegen.

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  2. Kein Glascockpit? OK, dafür mehr Zuladung … 250 kg oder so sind immer noch nicht besonders komfortabel.

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    1. Mag sein, wenn du aber mal die Chartepreise http://www.mfgm.ch vergleichst mit dem was du erhältst, sieht es schon wieder anders aus.

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